Marianna Gefen hebt ein nasses Blatt von ihrem Schreibtisch, dahinter Regale mit Drucken und Büchern

Offenes Atelier: zu Besuch bei Marianna Gefen

Marianna Gefen malt, seit sie fünf ist. Heute unterrichtet sie selbst Freie Kunst. Ihre Arbeiten hängen in Galerien weltweit und erscheinen in Publikationen von der New York Times bis zur Vogue. Ein Gespräch über die Angst vor dem weißen Blatt, die Persönlichkeit alten Papiers und darüber, warum das Beste, was man tun kann, manchmal das Aufhören ist.

Marianna Gefen zeichnet in Rot auf einem Bogen alten Papiers an ihrem Atelierschreibtisch

Auf Marianna Gefens Schreibtisch hat alles seinen Platz. In ihrer Arbeit auch der Zufall.

Stifte, Kohle und Tusche liegen bereit, daneben derselbe Aquarellkasten, den sie zum fünften Geburtstag bekommen hat. Was du nicht findest, ist ein leeres Blatt: Gefen bevorzugt Papier, das schon eine Geschichte mitbringt. Jeder Bogen, auf den sie zeichnet, war vorher woanders: auf einem Flohmarkt in Spanien, in einem Schreibwarenladen im Osten, in einem Block, der vor fünfzig Jahren einem Schulkind gehörte.

Wir haben sie gebeten, uns über ihren Schreibtisch zu führen.

Aquarell, Tusche, Kohle, Bleistift. Und der Kasten, den ich zu meinem fünften Geburtstag bekommen habe und bis heute benutze. Ich mag Material, in dem ein Risiko steckt. Tusche macht, was sie will, sobald sie nasses Papier berührt, und genau darum geht es.

Eine offene Schublade mit Tuschen, Pinseln und Stiften im Atelier

Ich bewundere Weiblichkeit sehr. Auch meine Dissertation beschäftigt sich mit Feminismus, besonders mit den Bildwelten der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Diese feinen Linien zusammen mit sehr starker Farbe, das funktioniert für mich. Männer kann ich zeichnen. Ob es mir Freude macht? Nein.

Blue Moon: eine stehende Figur, überzogen von tiefem Petrol und schwarzer Tusche über einer Bleistiftzeichnung auf gealtertem Papier

Blue Moon

Restless: eine Figur in blauer Tusche vor gesättigtem rotem Grund

Restless

Bloom: eine Figur mit einer magentafarbenen Lasur über dem Körper auf hellem, gealtertem Papier

Bloom

Favourites über einem Sideboard aus Nussbaum in einer hellen Pariser Wohnung, hohe Fenster und gegenüber ein grünes Samtsofa
Favourites im Museumsformat, 180 × 90 cm
Die Künstlerin arbeitet an mehreren Blättern gleichzeitig, einen vollen Pinsel in der Hand, daneben Tuschegläser

Ich reise viel. In Spanien waren es Flohmärkte. In Berlin altes DDR-Papier, Schulhefte, Blöcke. Du fängst nie bei null an, im Bogen steckt schon eine Persönlichkeit, eine Geschichte. Wenn jemand schreibt, er habe fünfzig Blöcke abzugeben, kaufe ich wie eine Verrückte.

Das ist der wichtigste Punkt. Ich sage meinen Studierenden immer: Bring das Bild nicht um. Das passiert schnell, wenn man zu lange daran weiterarbeitet. Ich habe eine Art Instinkt für den richtigen Moment zum Aufhören entwickelt. Und ich höre sehr früh auf.

Midnight Blue: eine abgewandte Figur, tiefes Marineblau über den Schultern auf gealtertem Papier

Midnight Blue

Drei gerahmte Arbeiten der Serie Essence in einer Reihe über einem Sideboard aus Nussbaum in einem sonnigen Raum

Essence-Arbeiten zu Hause

Zehn oder zwanzig auf einmal. An einem Tag Bleistift, dann die erste Farbschicht, am nächsten die nächste. Von zwanzig mag ich am Ende vielleicht zwei. An einem guten Tag auch fünfzehn.

Marianna Gefen streicht einen großen Bogen mit mehr als hundert kleinen Farbstudien glatt

Einen direkten Einblick in meine Arbeit. Wir haben wirklich meine Favoriten ausgewählt, vor allem die, bei denen etwas Ungeplantes passiert ist: ein Loch, ein Fleck. Leute denken, der Fleck sei mit Absicht gesetzt, und fragen, was er bedeutet. Manchmal ist es einfach ein Fingerabdruck. Das finde ich ungeheuer komisch.

Ja, ich brauche Ordnung um mich herum. Chaos würde mich ablenken. Meine Kunst ist der Ort, an dem ich Raum für das lasse, was ich nicht kontrollieren kann.

Das Wohnzimmer der Künstlerin, ein langes Bücherregal und gerahmte Plakate über einem grauen Sofa

Alle Werke von Marianna Gefen

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