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In seiner Lost in Translation Werkreihe adaptiert der Künstler Len van Brook einen neuen Stil und erweitert somit sein Repertoire als Geschichtenerzähler. In cineastischer Manier bringt er seine sinnlich verführerischen Protagonistinnen und die berühmten Metropolen unserer Welt zusammen. Dabei erschafft er ein reizvolles Zusammenspiel von Innen- und Außenwelt, das den Frauen als eindrucksvolle Kulisse dient. Es ist ein Spiel mit der Sehnsucht, das van Brook geschickt umsetzt. Er zieht unsere Gedanken in die weite Ferne und lässt uns bekannte Großstädte erleben. Zugleich eröffnet er einen individuell narrativen Raum, in dem unerwartete Begegnungen möglich werden. Mittels präziser Lichttechniken und einem wohl komponierten Bildaufbau erschafft er eine verführerische Atmosphäre in seinen Werken, die zugleich klassisch und modern anmutet. Besonders faszinierend ist auch van Brooks Einbeziehung der Betrachtenden: Zum einen haben sie den Fensterblick auf die Stadt und ihre ständig währende Dynamik, zum anderen können sie ins ruhige und persönliche Innere der Zimmer schauen. Dort werden sie Teil der Geschichten, die in melancholischen Gesten und selbstvergessenen Gesichtsausdrücken ihren Anfang nehmen. Die Werke strahlen dabei eine erzählerische und emotionale Stärke aus, wie man sie sonst nur von den Ikonen der modernen Filmgeschichte kennt.
Life in a Nutshelf
In einem Regal finden ganz unterschiedliche Dinge zusammen: Bücher, Magazine, Bilder, Roboter und King Kong. In ihrer Vielfalt sind sie verbunden durch die Geschichte ihres Sammlers, der sie wohl überlegt in einer unverwechselbaren Komposition anordnete. Zusammen sind sie eine kuratierte Auswahl an Gegenständen mit hohem persönlichem Wert. Der Fotokünstler Len van Brook greift diese aussagekräftige Eigenschaft auf und zeigt edle Nussregale als Spiegel der Persönlichkeit. Er fasziniert mit originellen Zusammenstellungen – und stellt die Frage: Wer markierte die Seiten in der Gedichtsammlung und platzierte King Kong neben dem Geschmacksthesaurus? Wer füllte dieses bunte, vielseitige Regal mit seinen Objekten? Der englische Ausdruck „in a nutshell“ bedeutet so viel wie „zusammengefasst“ oder „auf den Punkt gebracht“ – so fasste z.B. Stephen Hawking das Universum „in a nutshell“ zusammen und machte es derart für Laien verständlich, die keinen Doktortitel in theoretischer Physik haben. Van Brook fasst in seiner Serie das Leben nun in besonderer Art zusammen, nämlich in einem Nussregal („nutshelf“). Die Idee ist so einprägsam wie genial: In einem Regal voller persönlicher Details befindet sich das Leben des Inhabers, seine Persönlichkeit in Form von Büchern, Figuren und Erinnerungsstücken. Len van Brook arbeitet seit vielen Jahren als Fotograf, Interior Designer und Produktgestalter. Die Idee, Regale als Kunstwerke zu inszenieren, entsprang seinem Interesse an der persönlichen Gestaltung von Räumen, die ihn bei seinem Schaffen stets begleitet. Das Persönliche ist für ihn die „Lebenspatina“, die aus glatten, weißen Wänden einen Raum mit Charakter macht.
Passages
Mit Passages erweitert Len van Brook sein Œuvre um eine überraschend stille, fast meditative Werkgruppe – und bleibt dabei doch seinem Prinzip treu: das Erzählerische im Visuellen sichtbar zu machen. Drei Tage lang begleitete er die Régates Royales vor Cannes. Nicht vom Ufer aus, sondern an Bord eines RIB, nah dran an über 80 klassischen Yachten, einige über hundert Jahre alt. Mittendrin hält Van Brook, selbst Segler seit Kindheitstagen, seine Faszination für die Regatten fest: Formen aus einer anderen Zeit. Augenblicke des Zusammenhalts. Seine Kamera wird dabei zum Seismografen für Licht, Linien und Bewegung. Seine Aufnahmen dokumentieren nicht bloß – sie verdichten einen Zustand zwischen Konzentration und Freiheit, Handwerk und Horizont. Mal fängt er die Stofflichkeit von Segeln ein, die sich im Wind wölben wie Skulpturen; mal verschwimmen Wasser und Horizont zur offenen Fläche. Nahaufnahmen lösen sich fast ins Abstrakte auf und wechseln mit Weitblicken, in denen kollektive Bewegung spürbar wird. Eine Erzählung von Sehnsucht und dem gemeinsamen Weg zum Ziel. Passages ist keine nostalgische Rückschau, sondern eine moderne Hommage an das Meer, den Mut und die Kunst, nach vorne zu schauen.
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