Dorothee Liebscher - Bilder, Werke und Fotografie Dorothee Liebscher

Dorothee Liebscher


Hintergrundinformationen zu Dorothee Liebscher

Einführung

Dorothee Liebscher Künstlerinnentext Dorothee Liebscher malt keine Räume – sie denkt sie weiter. Was uns in der Realität als gebaut begegnet, wird in ihren Arbeiten seiner Starrheit entzogen, geöffnet, verschoben, neu zusammengesetzt. Architektur verliert ihre Eindeutigkeit und wird zum Ausgangspunkt für etwas anderes: für Bildräume, in denen sich Ordnung und Auflösung, Konstruktion und organisches Wachstum unauflösbar verschränken.  

Ausgangspunkt ist oft ein realer Ort, ein fotografisches Fragment, eine Erinnerung. Doch dieser Ursprung bleibt nicht bestehen. Liebscher zerlegt, kombiniert, kippt Perspektiven, löst Innen und Außen auf. Was entsteht, ist keine Abbildung, sondern eine Transformation: eine Parallelwelt, die vertraut wirkt und sich zugleich jeder eindeutigen Verortung entzieht.  

Dabei ist Raum nicht Hintergrund, sondern Hauptakteur. Gebäude, Durchgänge und vegetative Strukturen stehen in einem permanenten Spannungsverhältnis – zwischen Stabilität und Fragilität, Orientierung und Desorientierung. Architektur erscheint als etwas scheinbar Festes, das jedoch jederzeit vom Organischen durchdrungen und zurückerobert werden kann. Natur und Architektur begegnen sich hier nicht als Gegensätze, sondern als Liaison – eine Symbiose, in der beide Sphären in einen kontinuierlichen Dialog treten. In dieser Reibung entsteht eine Bildlogik, die weniger beschreibt als in Bewegung hält.  

Auch in ihrem malerischen Prozess spiegelt sich diese Haltung. Liebscher arbeitet in Schichten, tastend und offen. Wässrige Acrylfarben legen erste, fragile Strukturen an, die im weiteren Verlauf durch Ölfarbe verdichtet werden. Doch das Frühere verschwindet nicht: Es bleibt sichtbar, trägt das Bild von innen heraus und verleiht ihm jene Tiefe, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern gewachsen. „Ich möchte, dass die Farbe als Medium sichtbar bleibt“, sagt sie – als Spur eines Prozesses, der nicht glättet, sondern offenlegt.  

Dass Raum bei Liebscher zum eigentlichen Bildträger wird, ist kein Zufall. Ihre Ausbildung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig – einem der zentralen Orte der zeitgenössischen Malerei – hat diesen Blick geschärft: Malerei nicht als Darstellung, sondern als Konstruktion. Eine Haltung, die in ihren Arbeiten eine eigenständige, konsequent weitergedachte Form findet.  

Menschen treten in diesen Bildwelten nicht auf – und sind doch präsent. Der Blick der Betrachterin, des Betrachters wird selbst zum bewegenden Element. „Der Mensch geht mit seinem Blick in diese Welt hinein“, beschreibt Liebscher diesen Moment. Was entsteht, ist kein abgeschlossener Raum, sondern eine Projektionsfläche: offen, vieldeutig, bewusst unentschieden.  

Ihre Arbeiten bewegen sich damit zwischen Realismus und Fiktion, zwischen Erinnerung und Entwurf. Sie greifen reale Strukturen auf – und lösen sie zugleich aus ihrer Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft überlagern sich, ohne sich festzuschreiben. Es sind Bildräume, die sich nicht festlegen, sondern anbieten. 
Vielleicht liegt genau darin ihre besondere Qualität: dass sie Räume schafft, die nicht erklären, sondern ermöglichen. Räume, in denen äußere Landschaften und innere Zustände ineinander übergehen – und in denen sich das, was wir sehen, erst im eigenen Blick formt. 

Vita

Dorothee Liebscher lebt und arbeitet als Malerin in Leipzig. Von 2015 bis 2019 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, einer der renommiertesten Kunsthochschulen Deutschlands, in der Fachklasse für Malerei und Grafik bei Prof. Annette Schröter und schloss ihr Studium mit dem Diplom ab. Bereits zuvor führte sie ein Studienaufenthalt an die Facultad de Bellas Artes in Murcia, Spanien (2011–2012).

Parallel dazu absolvierte sie von 2009 bis 2017 ein Studium an der Universität Leipzig in den Fächern Kunst und Lehramt für Sonderpädagogik, das sie mit dem Master of Education abschloss.

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, darunter im Drents Museum (Niederlande), bei der Art Karlsruhe sowie bei Art Tausch in New York. Zudem war sie in Galerien und Ausstellungsräumen unter anderem in Nürnberg, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Hamburg vertreten.

Ausstellungen

2024"Temporary", Weißes Haus, Markkleeberg (Solo)
2023"Raum und Dekonstruktion", Ahoi-Stadtmagazin, Leipzig (Solo)
2021"Kontemplation", Digitale Ausstellung (Solo)
2019"Hinter Türen", Halle 20, Baumwollspinnerei Leipzig, (Solo)

"Disclosure", Projektraum 4D Tapetenwerk Leipzig (Solo)
2017      "Zwischenräume", Jahn-Galerie, Tapetenwerk Leipzig (Solo)

2025"Hotspot Leipzig- Highlights aus der Sammlung", Drents Museum Assen, Niederlande

"Naturraum trifft Moderne", Galerie Falk Hartig, Chemnitz

"Soft Echoes", Lindenow Leipzig

"Shelter", Tapetenwerk Leipzig 

NOI", BBKL Neumitgliederausstellung, Kulturhof Gohlis

"Große Aussichten", Galerie Von&Von, Nürnberg

"Licht", BBKL Mitgliederausstellung, Baumwollspinnerei Leipzig

"TON", 31. Leipziger Jahresausstellung, Werkschauhalle Baumwollspinnerei Leipzig

"Spektrum Leipzig Reloaded", Galerie Von& Von, Nürnberg

"open studios", Tapetenwerk Leipzig

"Flugmodus", E30 Gallery, Frankfurt a. M.

"Werkschau - Made in Sachsen", Chemnitz

"Kunst-Raum #1", BBK Leipzig, Tapetenwerk Leipzig
2024"First Date", Galerie Von und Von, Nürnberg
2023"Hidden Moments", Galerie Von&Von, Nürnberg
2022"Bricks", Galerie She BAM!, Leipzig

"Decade", Galerie Von&Von, Nürnberg

"Architektur und Malerei", Nidus Kosmos, Düsseldorf

"Art Karlsruhe", Galerie Von&Von, Karlsruhe

"Silky Lights", Zentrale für Kunst, Brückenloft Leipzig
2021"Mutable", Art Tausch, New York

"No Fear In Trying", Art Tausch, New York

"Urban Jungle", Von Fraunberg Art Gallery, Düsseldorf (Duo)

"Space Oddity", Galerie Robert Drees, Hannover (Duo)

"Seasonal Black", Werkschauhalle Baumwollspinnerei Leipzig
2020"From dawn till dusk", Galerie Robert Drees, Hannover

"Spektrum Leipzig", Galerie Von&Von, Nürnberg

"Hybrid Utopia", Westpol A.I.R. Space Leipzig (Duo)

"Ereignis Malerei", BBK Leipzig, Tapetenwerk Leipzig

"Art Karlsruhe", Galerie Von&Von, Karlsruhe
2019"Four Seasons", Galerie Von&Von, Nürnberg   

"1K", Galerie Jahn, Tapetenwerk Leipzig

"salondergegenwart", Große Bleichen, Hamburg

"Positions Munich Art Fair", Galerie Von&Von, München

"Fluchtpunkte", Galerie Koenitz, Leipzig

"Dr. Nuwayhid& friends", Werkschauhalle, Baumwollspinnerei Leipzig

"Bau", Galerie Jahn, Tapetenwerk Leipzig

"Diplomrundgang", Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

"Atmo", Halle 14, Baumwollspinnerei Leipzig

"Mehrzahl", Werkschauhalle, Baumwollspinnerei Leipzig

"Art Karlsruhe", Galerie Von&Von, Karlsruhe
2018    "Pretty Park", Weisses Haus, Markkleeberg

"Natur Mensch", Nationalpark Harz, Sankt Andreasberg

"The room in my head", Galerie Von&Von, Nürnberg (Duo)

"Frühjahrsrundgang", Jahn-Galerie, Tapetenwerk Leipzig
2017      "Herbstrundgang Spinnerei", Halle 20, Leipzig

"Klasse Klasse!!“, Halle C01, Tapetenwerk Leipzig
2016    "Grenzwege", Galerie Dekanatskirche Maria-Himmelfahrt, Most/ Tschechische Republik
2015    "Kunstraum Erzgebirge Mittelsachsen“, Marienkirche Beeskow
2013    "Siebte Schicht“, Rektorat der Universität Leipzig
2012      "Paisaje UM versus Espacios Naturales Protegidos“, Teatro Romea, Murcia/ Spanien

Interview

Picasso sagte einmal: „Du machst keine Kunst, du findest sie.“ Wo findest du deine Kunst? 
Ich würde Picasso zustimmen. Ich finde meine Kunst dort, wo ich mich körperlich und gedanklich aufhalte. Sie entsteht aus Beobachtung. Aus Architektur, Räumen, Stimmungen und inneren Bildern. Inspiration kann eine Villa oder eine Brache sein, an der ich vorbeilaufe, eine visuelle Begegnung oder ein inneres Bild, fast wie ein Tagtraum. Vieles entsteht aber erst auf der Leinwand, indem ich Strukturen entdecke, verändere und weiterentwickle

Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Der Prozess beginnt immer mit einer Skizze. Ich arbeite so lange, bis sich ein stimmiges Gefühl für die Komposition einstellt und der Impuls für das Bild klar ist. In der Umsetzung folge ich festen handwerklichen Abläufen – vom eigenen Leinwandbau bis zur Fertigstellung in Öl. Gleichzeitig lasse ich bewusst Raum für Zufall und spontane Veränderungen während des Malprozesses.

Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Mit Edward Hopper. Über Architektur, Einsamkeit, Stille und darüber, wie Räume Emotionen tragen können.

Wie kamst du zur Kunst?
Ich habe mich seit meiner Kindheit intensiv mit Malen und Gestalten beschäftigt. Der Wunsch, Kunst zu studieren, wurde immer stärker. Trotz Widerständen habe ich dafür gekämpft und bin schließlich dem Weg gefolgt, der mich wie ein Magnet angezogen hat. Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich? Vor allem mein Partner – durch Austausch und kritische Perspektiven

Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
In die 1920er-Jahre. Mich interessieren die Architektur, der gesellschaftliche Wandel und die Atmosphäre dieser Zeit.

Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Ich interessiere mich sehr für psychologische Themen, würde es aber nicht als Leidenschaft bezeichnen. Ich bin sehr gern in der Natur und mit meinen Liebsten.

Woran arbeitest du zurzeit?
Ich arbeite gerade an einer Serie von mittelformatigen Arbeiten und bereite ein Triptychon vor, welches das bisher größte Bild meines Schaffens werden soll.