Carla Sá Fernandes
Carla Sá Fernandes macht in Fotografie, Malerei und digitaler Kunst das Unvorhersehbare zum Prinzip ihres Schaffens. Ausgangspunkt ist eine leere Leinwand oder eine unbearbeitete Fotografie; von… weiterlesen
Vita Interview
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Hintergrundinformationen zu Carla Sá Fernandes
Einführung
Carla Sá Fernandes macht in Fotografie, Malerei und digitaler Kunst das Unvorhersehbare zum Prinzip ihres Schaffens. Ausgangspunkt ist eine leere Leinwand oder eine unbearbeitete Fotografie; von dort folgt sie Farbe, Licht und Intuition und lässt sich von ihnen durch den Entstehungsprozess führen. Nicht das Bild im Kopf gibt die Richtung vor – das Bild selbst findet seinen Weg.
Dieser offene Prozess verbindet die unterschiedlichen Bereiche ihres Schaffens. In der Fotografie bildet das aufgenommene Motiv den Ausgangspunkt, den Sá Fernandes im weiteren Prozess verändert und transformiert. In ihren digitalen Bildwelten wiederum nutzt sie die Freiheit des Mediums, um Farbe und Licht immer wieder neu auszutarieren. Technik ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist das jeweilige Instrument für eine Bildsprache, deren eigentliche Konstanten emotionale Intensität, leuchtende Farbigkeit und eine spürbare innere Bewegung sind. „Kunst entsteht, wenn etwas in mir seinen Weg nach außen findet“, beschreibt die Künstlerin selbst diesen Zusammenhang.
Dass Sá Fernandes dabei gleichermaßen analog wie digital arbeitet, erscheint beinahe folgerichtig. Die 1971 geborene Portugiesin kam nicht über eine klassische Kunstakademie zu ihrer heutigen Praxis. Sie studierte zunächst Chemieingenieurwesen und absolvierte später einen MBA, bevor sie ihre künstlerische Ausbildung mit Kursen für Malerei an der Faculdade de Belas Artes der Universität Porto vertiefte. Lange entwickelte sie ihre Kunst parallel zu ihrer beruflichen Laufbahn. In ihrem heutigen Schaffen begegnen sich damit zwei zunächst gegensätzliche Denkweisen: Wo ihre naturwissenschaftliche Ausbildung auf Berechenbarkeit und definierte Zusammenhänge ausgerichtet war, sucht sie als Künstlerin gerade das, was sich nicht vorausberechnen lässt.
Diese Haltung prägt auch die beiden Werkgruppen „Beyond the Horizon“ und „Oneness“. Ihre intensive Farbigkeit lässt zunächst an die Malerei denken: Flächen werden geschichtet, Übergänge modelliert, Farben gegeneinandergesetzt oder miteinander verschmolzen. Zugleich trägt ihre Bildsprache die Auseinandersetzung mit Fotografie und digitaler Bildgestaltung in sich. Licht wird zum gestalterischen Material, Farbe kann sich von ihrem konkreten Gegenstand lösen, und aus der Transformation des Sichtbaren entsteht eine Wirklichkeit, die weniger einen Ort beschreibt als eine Empfindung.
In „Beyond the Horizon“ verdichtet sich dieses Prinzip in einer der elementarsten Linien unserer Wahrnehmung. Horizontale Farbbahnen ziehen sich durch die Kompositionen. Die Assoziation mit Himmel, Meer und wechselnden Lichtverhältnissen ist unmittelbar – und bleibt dennoch in der Schwebe. Sá Fernandes abstrahiert Landschaft so weit, dass sie nicht mehr einen bestimmten Ort zeigt, sondern die Erfahrung von Weite bewahrt.
Der Horizont wird dabei zum inhaltlichen Gegenstück ihres Arbeitsprozesses. Für die Künstlerin steht er für Möglichkeit, Hoffnung und das Unbekannte: Würden wir bereits wissen, was hinter ihm liegt, wäre er kein Horizont mehr. Gerade darin liegt die besondere Spannung der Serie. Eine Linie, die scheinbar eine Grenze zieht, öffnet den Bildraum ins Unendliche. Der Horizont bleibt sichtbar – das Dahinter bleibt der Vorstellung überlassen.
Mit „Oneness“ verschiebt Sá Fernandes diesen Gedanken von der Weite zur Verdichtung. Die horizontale Ordnung tritt zurück, Farbräume rücken enger zusammen. Die Farben überlagern sich in weichen Übergängen; Konturen lösen sich auf, Licht scheint aus den Farben selbst hervorzutreten.
In Ihre Arbeiten bilden Sonne und Meer, Licht und Farbe ein wiederkehrendes Reservoir. Besonders das Meer ist für die in Esposende lebende Künstlerin mit einem tiefen Gefühl des Angekommenseins verbunden. Doch sie übersetzt diese Erfahrungen nicht in klassische Landschaftsbilder. Sie löst sie von ihrem konkreten Ursprung und führt sie durch fotografische und digitale Prozesse in die Abstraktion. Carla Sá Fernandes bildet die Welt nicht einfach ab. Sie nimmt auf, was sie in ihr auslöst – und gibt diesem Gefühl eine sichtbare Form.
Dieser offene Prozess verbindet die unterschiedlichen Bereiche ihres Schaffens. In der Fotografie bildet das aufgenommene Motiv den Ausgangspunkt, den Sá Fernandes im weiteren Prozess verändert und transformiert. In ihren digitalen Bildwelten wiederum nutzt sie die Freiheit des Mediums, um Farbe und Licht immer wieder neu auszutarieren. Technik ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist das jeweilige Instrument für eine Bildsprache, deren eigentliche Konstanten emotionale Intensität, leuchtende Farbigkeit und eine spürbare innere Bewegung sind. „Kunst entsteht, wenn etwas in mir seinen Weg nach außen findet“, beschreibt die Künstlerin selbst diesen Zusammenhang.
Dass Sá Fernandes dabei gleichermaßen analog wie digital arbeitet, erscheint beinahe folgerichtig. Die 1971 geborene Portugiesin kam nicht über eine klassische Kunstakademie zu ihrer heutigen Praxis. Sie studierte zunächst Chemieingenieurwesen und absolvierte später einen MBA, bevor sie ihre künstlerische Ausbildung mit Kursen für Malerei an der Faculdade de Belas Artes der Universität Porto vertiefte. Lange entwickelte sie ihre Kunst parallel zu ihrer beruflichen Laufbahn. In ihrem heutigen Schaffen begegnen sich damit zwei zunächst gegensätzliche Denkweisen: Wo ihre naturwissenschaftliche Ausbildung auf Berechenbarkeit und definierte Zusammenhänge ausgerichtet war, sucht sie als Künstlerin gerade das, was sich nicht vorausberechnen lässt.
Diese Haltung prägt auch die beiden Werkgruppen „Beyond the Horizon“ und „Oneness“. Ihre intensive Farbigkeit lässt zunächst an die Malerei denken: Flächen werden geschichtet, Übergänge modelliert, Farben gegeneinandergesetzt oder miteinander verschmolzen. Zugleich trägt ihre Bildsprache die Auseinandersetzung mit Fotografie und digitaler Bildgestaltung in sich. Licht wird zum gestalterischen Material, Farbe kann sich von ihrem konkreten Gegenstand lösen, und aus der Transformation des Sichtbaren entsteht eine Wirklichkeit, die weniger einen Ort beschreibt als eine Empfindung.
In „Beyond the Horizon“ verdichtet sich dieses Prinzip in einer der elementarsten Linien unserer Wahrnehmung. Horizontale Farbbahnen ziehen sich durch die Kompositionen. Die Assoziation mit Himmel, Meer und wechselnden Lichtverhältnissen ist unmittelbar – und bleibt dennoch in der Schwebe. Sá Fernandes abstrahiert Landschaft so weit, dass sie nicht mehr einen bestimmten Ort zeigt, sondern die Erfahrung von Weite bewahrt.
Der Horizont wird dabei zum inhaltlichen Gegenstück ihres Arbeitsprozesses. Für die Künstlerin steht er für Möglichkeit, Hoffnung und das Unbekannte: Würden wir bereits wissen, was hinter ihm liegt, wäre er kein Horizont mehr. Gerade darin liegt die besondere Spannung der Serie. Eine Linie, die scheinbar eine Grenze zieht, öffnet den Bildraum ins Unendliche. Der Horizont bleibt sichtbar – das Dahinter bleibt der Vorstellung überlassen.
Mit „Oneness“ verschiebt Sá Fernandes diesen Gedanken von der Weite zur Verdichtung. Die horizontale Ordnung tritt zurück, Farbräume rücken enger zusammen. Die Farben überlagern sich in weichen Übergängen; Konturen lösen sich auf, Licht scheint aus den Farben selbst hervorzutreten.
In Ihre Arbeiten bilden Sonne und Meer, Licht und Farbe ein wiederkehrendes Reservoir. Besonders das Meer ist für die in Esposende lebende Künstlerin mit einem tiefen Gefühl des Angekommenseins verbunden. Doch sie übersetzt diese Erfahrungen nicht in klassische Landschaftsbilder. Sie löst sie von ihrem konkreten Ursprung und führt sie durch fotografische und digitale Prozesse in die Abstraktion. Carla Sá Fernandes bildet die Welt nicht einfach ab. Sie nimmt auf, was sie in ihr auslöst – und gibt diesem Gefühl eine sichtbare Form.
Vita
Carla Sá Fernandes (1971) ist eine portugiesische Künstlerin, deren Werk sich zwischen Fotografie, Malerei und digitaler Kunst bewegt. Ihre künstlerische Ausbildung vertiefte sie in Malerei an der Faculdade de Belas Artes der Universität Porto. Zuvor studierte sie Chemieingenieurwesen und absolvierte einen MBA. Ihre Arbeiten wurden international unter anderem in Portugal, Spanien, Italien, der Schweiz, den Niederlanden, den USA, Brasilien und Indien gezeigt und befinden sich heute in Sammlungen in mehr als 50 Ländern.
Interview
Picasso sagte einst, „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst?
Vielleicht habe ich die Kunst gefunden. Vielleicht hat die Kunst mich gefunden. Oder vielleicht haben wir uns irgendwie gefunden. Ich glaube, wir schaffen keine Kunst; wir besitzen Kunst. Wir alle. In jedem Menschen steckt Kunst. Künstler sind einfach Menschen, die einen Weg finden, etwas von dem auszudrücken, was in ihnen steckt. Das ist auch der Grund, warum das Medium nie das Wichtigste war. Es kann Malerei, Fotografie, digitale Kunst, Bildhauerei, Musik oder Literatur sein – alles, was diesem inneren Ausdruck einen Weg nach außen ermöglicht. Ich bin meine Kunst, und meine Kunst ist ich.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Meistens gibt es keine konkrete Idee, die ich umsetzen möchte. Ich fange einfach an zu gestalten. Ich wähle das Medium, das sich gerade richtig anfühlt, und beginne – ohne eine vorgefasste Vorstellung davon, wie das fertige Werk aussehen soll. In der Fotografie bearbeite ich das Bild während des Prozesses; in der Malerei gestalte ich während des Prozesses; bei digitalen Arbeiten gilt dasselbe Prinzip. Ich reagiere auf das, was sich ergibt, und lasse eine Entscheidung zur nächsten führen. Wenn ich im Rahmen einer bestehenden Serie arbeite, muss das Werk letztendlich zu dieser Serie gehören. Ist das nicht der Fall, ist es vielleicht der Beginn einer neuen. Das weiß ich erst hinterher. Der Versuch, etwas zu reproduzieren, das ich mir bereits vorgestellt habe, würde mir den Teil nehmen, der mir am meisten Spaß macht: nicht zu wissen, was passieren wird..
Dein Lieblingsbuch?
Es ist mir noch nie besonders gut gelungen, nur ein einziges Lieblingsbuch auszuwählen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich „Dona Flor und ihre beiden Ehemänner“ von Jorge Amado. Was ich an Jorge Amado liebe, ist die Art und Weise, wie er so viele verschiedene Welten auf so natürliche Weise miteinander verbindet – das Reale und das Magische, die Lebenden und die Toten, Sinnlichkeit, Religion, Humor, Musik und den Alltag. Seine Bücher sind wunderbar lebendig und bildhaft, voller Farbe, Freude, Rhythmus, Wärme und Menschlichkeit. Ich liebe es, wie er mit Worten ganze Welten erschafft und einem das Gefühl gibt, man befinde sich mitten darin. Dennoch ist es unfair, nur ein einziges Buch auszuwählen.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Ich würde sehr gerne mit jemandem etwas trinken gehen, der wirklich interessant ist – und das könnte jede Art von Künstler sein. Es wäre mir eigentlich egal, wer es ist. Ich würde nicht nach seiner Technik fragen wollen, wie er seine Werke schafft oder woher seine Inspiration kommt. Ich würde einfach nur die Gesellschaft genießen, ein gutes Gespräch über alles und nichts führen, lachen und gemeinsam etwas trinken. Wenn jemand wirklich interessant und authentisch ist, glaubt ich, versteht man, woher seine Arbeit kommt, ohne danach fragen zu müssen. Und wenn ich mich für jemanden entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich Jorge Amado wählen. Er hat ein Leben geführt, das mehrere Leben hätte füllen können – so reich an Erfahrungen, Menschen und Geschichten, von denen viele absolut urkomisch waren. Ich würde ihn nichts fragen. Ich hätte es einfach geliebt, an seinem Tisch in der „Casa do Rio Vermelho“ zu sitzen, ein Bier zu trinken, ihm zuzuhören und es zu genießen, Teil des Gesprächs zu sein.
Wie kamst du zur Kunst?
Das bin ich nicht. Ich bin einfach so geboren. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, dass ich mich für Kunst „begeistert“ habe. Seit ich mich erinnern kann, habe ich immer etwas geschaffen. Ich glaube einfach, dass ich schon immer eine Künstlerin war.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Eigentlich niemand. Die Menschen in meinem Umfeld sind mir als Menschen sehr wichtig, aber sie beeinflussen meine künstlerische Arbeit nicht. Meine Inspiration kommt aus meinem Inneren und aus der Art und Weise, wie ich die Welt um mich herum erlebe – nicht von bestimmten Personen. Ich schöpfe aus meiner eigenen inneren Welt, meinen Gefühlen, Wahrnehmungen und Verbindungen.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Ich würde zurückgehen, um etwas Zeit mit meiner Mutter zu verbringen – und mich wahrscheinlich mit ihr streiten. Abgesehen davon, dass ich sie schrecklich vermisse, glaube ich, dass ich es wirklich genießen würde, wieder einmal einen dieser Streitereien mit ihr zu haben. Sie konnte sehr gut streiten, und sie war eine der wenigen Menschen, die wirklich mit meiner Denkweise mithalten konnten.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Abgesehen von der Kunst? Meine Familie! Ich liebe es, mit ihnen zu reisen. Ich liebe es, neue Orte zu entdecken, andere Kulturen kennenzulernen, Menschen zu treffen, zu sehen, wie andere Welten funktionieren, und einfach an einem Ort zu sein, an dem ich noch nie zuvor war. Ich glaube, das Reisen nährt meine Neugier und prägt meine Sicht auf die Welt. Und dann ist da noch der Strand. Ich liebe einfach alles daran – im Meer zu schwimmen, das Rauschen der Wellen, den Sand unter meinen nackten Füßen, die Brise, die Wärme der Sonne auf meiner Haut und natürlich eine gute Caipirinha. Es ist das gesamte Erlebnis. Außerdem begeistere ich mich für guten Wein, gutes Essen und vor allem für das Leben selbst. Ich liebe es, am Leben zu sein. Meine einzige wirkliche Beschwerde ist, dass das Leben viel zu kurz ist.
Woran arbeitest du zurzeit?
Was auch immer mir an diesem Tag gerade in den Sinn kommt. Ich weiß im Voraus nie so recht, woran ich arbeiten werde. Ich folge einfach dem, was mich in diesem Moment anspricht – sei es ein Gemälde, ein Foto, eine digitale Arbeit oder vielleicht etwas ganz anderes. Das gefällt mir so.
Vielleicht habe ich die Kunst gefunden. Vielleicht hat die Kunst mich gefunden. Oder vielleicht haben wir uns irgendwie gefunden. Ich glaube, wir schaffen keine Kunst; wir besitzen Kunst. Wir alle. In jedem Menschen steckt Kunst. Künstler sind einfach Menschen, die einen Weg finden, etwas von dem auszudrücken, was in ihnen steckt. Das ist auch der Grund, warum das Medium nie das Wichtigste war. Es kann Malerei, Fotografie, digitale Kunst, Bildhauerei, Musik oder Literatur sein – alles, was diesem inneren Ausdruck einen Weg nach außen ermöglicht. Ich bin meine Kunst, und meine Kunst ist ich.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Meistens gibt es keine konkrete Idee, die ich umsetzen möchte. Ich fange einfach an zu gestalten. Ich wähle das Medium, das sich gerade richtig anfühlt, und beginne – ohne eine vorgefasste Vorstellung davon, wie das fertige Werk aussehen soll. In der Fotografie bearbeite ich das Bild während des Prozesses; in der Malerei gestalte ich während des Prozesses; bei digitalen Arbeiten gilt dasselbe Prinzip. Ich reagiere auf das, was sich ergibt, und lasse eine Entscheidung zur nächsten führen. Wenn ich im Rahmen einer bestehenden Serie arbeite, muss das Werk letztendlich zu dieser Serie gehören. Ist das nicht der Fall, ist es vielleicht der Beginn einer neuen. Das weiß ich erst hinterher. Der Versuch, etwas zu reproduzieren, das ich mir bereits vorgestellt habe, würde mir den Teil nehmen, der mir am meisten Spaß macht: nicht zu wissen, was passieren wird..
Dein Lieblingsbuch?
Es ist mir noch nie besonders gut gelungen, nur ein einziges Lieblingsbuch auszuwählen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich „Dona Flor und ihre beiden Ehemänner“ von Jorge Amado. Was ich an Jorge Amado liebe, ist die Art und Weise, wie er so viele verschiedene Welten auf so natürliche Weise miteinander verbindet – das Reale und das Magische, die Lebenden und die Toten, Sinnlichkeit, Religion, Humor, Musik und den Alltag. Seine Bücher sind wunderbar lebendig und bildhaft, voller Farbe, Freude, Rhythmus, Wärme und Menschlichkeit. Ich liebe es, wie er mit Worten ganze Welten erschafft und einem das Gefühl gibt, man befinde sich mitten darin. Dennoch ist es unfair, nur ein einziges Buch auszuwählen.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Ich würde sehr gerne mit jemandem etwas trinken gehen, der wirklich interessant ist – und das könnte jede Art von Künstler sein. Es wäre mir eigentlich egal, wer es ist. Ich würde nicht nach seiner Technik fragen wollen, wie er seine Werke schafft oder woher seine Inspiration kommt. Ich würde einfach nur die Gesellschaft genießen, ein gutes Gespräch über alles und nichts führen, lachen und gemeinsam etwas trinken. Wenn jemand wirklich interessant und authentisch ist, glaubt ich, versteht man, woher seine Arbeit kommt, ohne danach fragen zu müssen. Und wenn ich mich für jemanden entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich Jorge Amado wählen. Er hat ein Leben geführt, das mehrere Leben hätte füllen können – so reich an Erfahrungen, Menschen und Geschichten, von denen viele absolut urkomisch waren. Ich würde ihn nichts fragen. Ich hätte es einfach geliebt, an seinem Tisch in der „Casa do Rio Vermelho“ zu sitzen, ein Bier zu trinken, ihm zuzuhören und es zu genießen, Teil des Gesprächs zu sein.
Wie kamst du zur Kunst?
Das bin ich nicht. Ich bin einfach so geboren. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, dass ich mich für Kunst „begeistert“ habe. Seit ich mich erinnern kann, habe ich immer etwas geschaffen. Ich glaube einfach, dass ich schon immer eine Künstlerin war.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Eigentlich niemand. Die Menschen in meinem Umfeld sind mir als Menschen sehr wichtig, aber sie beeinflussen meine künstlerische Arbeit nicht. Meine Inspiration kommt aus meinem Inneren und aus der Art und Weise, wie ich die Welt um mich herum erlebe – nicht von bestimmten Personen. Ich schöpfe aus meiner eigenen inneren Welt, meinen Gefühlen, Wahrnehmungen und Verbindungen.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Ich würde zurückgehen, um etwas Zeit mit meiner Mutter zu verbringen – und mich wahrscheinlich mit ihr streiten. Abgesehen davon, dass ich sie schrecklich vermisse, glaube ich, dass ich es wirklich genießen würde, wieder einmal einen dieser Streitereien mit ihr zu haben. Sie konnte sehr gut streiten, und sie war eine der wenigen Menschen, die wirklich mit meiner Denkweise mithalten konnten.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Abgesehen von der Kunst? Meine Familie! Ich liebe es, mit ihnen zu reisen. Ich liebe es, neue Orte zu entdecken, andere Kulturen kennenzulernen, Menschen zu treffen, zu sehen, wie andere Welten funktionieren, und einfach an einem Ort zu sein, an dem ich noch nie zuvor war. Ich glaube, das Reisen nährt meine Neugier und prägt meine Sicht auf die Welt. Und dann ist da noch der Strand. Ich liebe einfach alles daran – im Meer zu schwimmen, das Rauschen der Wellen, den Sand unter meinen nackten Füßen, die Brise, die Wärme der Sonne auf meiner Haut und natürlich eine gute Caipirinha. Es ist das gesamte Erlebnis. Außerdem begeistere ich mich für guten Wein, gutes Essen und vor allem für das Leben selbst. Ich liebe es, am Leben zu sein. Meine einzige wirkliche Beschwerde ist, dass das Leben viel zu kurz ist.
Woran arbeitest du zurzeit?
Was auch immer mir an diesem Tag gerade in den Sinn kommt. Ich weiß im Voraus nie so recht, woran ich arbeiten werde. Ich folge einfach dem, was mich in diesem Moment anspricht – sei es ein Gemälde, ein Foto, eine digitale Arbeit oder vielleicht etwas ganz anderes. Das gefällt mir so.
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